Lippstadt: Pärchen vergiftet in Langenberg gezielt Hunde beim Gassi gehen

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 02.01.2013 um 11:28 Uhr, 8 Kommentare

Das Jahr hat noch nicht einmal richtig begonnen und schon erblickte ich gestern eine schockierende Nachricht in meiner Facebook-Timeline. Eine Freundin teilte dort diesen Hinweis:

Achtung Achtung! In Langenberg in der Nähe von Lippstadt werden derzeit Hunde von einem Pärchen vergiftet. Die Leute geben sich als neue Hundefreunde aus und füttern eure Hunde! Jetzt ist ein ganzer Wurf Ridgebackwelpen daran kaputt gegangen. Die Polizei sucht jetzt nach diesem Pärchen. Bitte Bitte teilen damit wir diesem Schweinen das Handwerk legen können.

Ok…zunächst dachte ich eine Sekunde nach. Konnte an der Sache wirklich etwas dran sein oder handelt es sich um eines dieser vielen haltlosen Gerüchte, die immer wieder täglich auf Facebook zu lesen sind? Wenn wir auf GiftköderRadar nicht wirklich sämtliche Meldungen so gut wie möglich verifizieren würden, dann hätten wir im Jahr vermutlich mehr als 10.000 Todesfälle durch Gift zu vermelden.

Lippstadt-Hundehasser

Gerade auf Facebook werden viele Meldungen oftmals nur verbreitet um eine unnötige Panik unter uns Hundehaltern auszulösen und daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Anzahl der toten Hunde mit der Dauer der Verbreitung täglich steigt. Wird am ersten Tag „nur“ ein erkrankter Hund gemeldet, sind es nach 14 Tagen in der Regel schon mehr als 8 tote Hunde von denen noch nie ein Tierarzt etwas gehört hat.

Auf Facebook ist also grundsätzlich Vorsicht geboten, denn Fake-Meldungen verbreiten sich unheimlich schnell und gesicherte Angaben über die Quelle sind so gut wie nie zu finden. Auch in diesem Fall bin ich also zur Sicherheit mit großer Skepsis an die Sache herangegangen:

  • Bei den auf dem Foto gezeigten Giftködern handelt es sich mit Sicherheit nicht um die besagten Köder aus Langenberg, denn dieses Symbolfoto ist uns auch schon von anderen Meldungen bekannt.
  • Wie soll das besagte Foto überhaupt entstanden sein? Schließlich wurde der Köder laut Meldung doch direkt und komplett verfüttert und nicht wie sonst üblich versteckt ausgelegt. Es gab also nichts was man hätte fotografieren können.
  • Ein Anruf beim mehreren Tierärzten und bei der Polizei Lippstadt brachte keine nennenswerten Erkenntnis. Keiner der Beamten konnte uns diesen Fall bestätigen und das obwohl die Polizei laut der Meldung angeblich bereits nach dem Pärchen sucht.
  • Wie man aus der Warnung entnehmen kann, wurden die Giftköder direkt und in Anwesenheit der Besitzer vergiftet. Welcher normal denkende Hundehalter lässt seinen Hund von völlig fremden Menschen füttern, während er daneben steht? Ich jedenfalls nicht!
  • Wie soll ein ganzer Wurf Ridgebackwelpen dem gesuchten Pärchen zum Opfer gefallen sein? Sind die Täter zum nächsten Züchter gefahren und haben die Welpen direkt in der Wurfkiste gefüttert oder ist der Züchter mit seinem ganzen Wurf im Park spazieren gewesen und hat sie dort fleißig von wildfremden Menschen füttern lassen? Beide Varianten erscheinen mir sehr unwahrscheinlich!

Man könnte sicherlich noch viele Fragen stellen, die diese Meldung weiter demontieren, aber darum soll es jetzt nicht gehen. Ich möchte euch zu Anfang des Jahres einfach nochmals ein wenig sensibilisieren, denn es hilft keinem Hund auf dieser Welt wenn Ihr Meldungen auf Facebook einfach unreflektiert weiterverbreitet und euch keinerlei weitere Gedanken über den Inhalt selbst macht.

Hier zählt auch nicht das häufig angebrachte Argument: „Lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig melden“, denn das einzige was wir damit erreichen ist eine unnötige Panik in bestimmten Regionen und genau das möchten wir doch vermeiden, oder? Nicht jede unachtsam weggeworfene Wurst ist gleich eine potenzielle Gefahr für euren Hund, denn gerade in der Umgebung von Schulen werfen Kinder sehr häufig Lebensmittel in die Büsche.

Auch ein paar Häufchen mit Hundefutter im Wald müssen nicht zwangsläufig vergiftet sein. Ist es nicht auch denkbar, dass hier ein Hundehalter mit seiner Fellnase ein paar Futterspiele im Wald gemacht hat und dieser kleiner Haufen einfach vom Hund nicht gefunden wurde? Ja, melden und vorhandene Meldungen zu verbreiten ist extrem wichtig, denn es schützt andere Hundehalter vor Gefahren, aber wir sollten auch unseren Verstand nutzen und immer hinterfragen, ob das wirklich alles so passiert sein kann.

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Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

8 Reaktionen

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  • von Selena
  • 02. Januar, 2013

Hallo,

ich sah heute genau dieses Posting bei Facebook. Das erste: Überschrift gelesen, dann geteilt. Klar, ich dachte auch erst, es handelt sich um besagte Hundevergiftung durch dieses Pärchen. Aber ich bin dann auch auf den Link, der mich auf eben diese Seite hier führte. Ich gebe ja zu, man ist manchmal mit dem Klickfinger zu schnell, vor allem, wenn man meint, dass etwas Schlimmes passiert ist und man nun unbedingt andere warnen mag, dass ihnen nicht auch noch Unheil zustößt. Natürlich wurde der Link von meinen Freunden auch ordentlich geteilt und so geht das dann immer weiter.

Nun frag ich mich natürlich: Wie kann man das verhindern? Also als erstes würde ich im posting den Link unmissverständlich titulieren. z.B. Fakewarnung – …… (Titel)

Also aus dem posting, welches ich fand, ging nicht draus hervor, dass hier ein Text zu lesen ist, der erklärt, dass es sich NICHT um besagte Fakemeldung handelt sondern es machte Anschein, als wäre das die Giftwarnung selber. Genau so hab ich es empfunden und deswegen geteilt sowie meine Freunde dann auch.

Ab sofort werd ich mein Köpfchen früher einschalten als den Klickfinger betätigen. Befürchte allerdings, dann bleibt einiges auf der Strecke an Meldungen, den soviel wie da täglich über die Pinnwand kommt, kann man nicht lesen und kontrolieren. Vieles muss ich aus dem englischen übersetzen, was auch Zeit kostet.

Viele Grüße
Selena

[…] dann möglicherweise auch unschuldige Leben in Gefahr. Wir können euch daher nur immer wieder wie im Beispiel zur Meldung aus Lippstadt dazu aufrufen, nicht einfach jede Warnung auf Facebook & Co. blind zu […]

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  • von Jutta Scherkowsky
  • 19. Mai, 2013

Mein Standartsatz für solche Vorkommnisse:

„Menschen“, die Köder mit Gift oder Nägeln o. ä. gegen Tiere (hier: Hunde) auslegen, sollte man ihre eigenen Köder in deren Maul stopfen!

LG Jutta

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  • von Emm.Err
  • 31. Mai, 2013

Frau Scherkowsky:

Zum ersten heißt es „Standard“. Zum zweiten haben Sie den Artikel nicht gelesen, sonst würden Sie sich ihren selbstjustizialen Schmarrn sparen.

Zum Artikel: Ich teile ganz selten irgendwelche Meldungen, weil das meiste einfach auf den ersten Blick als Fake zu erkennen ist.
Und davon abgesehen: Welpen „gehen nicht kaputt“ (was für ein respektloser Satz!), sie sterben.

[…] habe ja auch bereits an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass wir Hundehalter beim Thema “Giftköder” derzeit zu unserem […]

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  • von Annemarie Trabelsi
  • 06. August, 2013

Die Aussage: ein ganzer Wurf Welpen sind daran „kaputt gegangen“ finde ich auch mehr als grenzwertig..
desweiteren ist der Satz „Bitte, Bitte teilen, damit wir diesen „SCHWEINEN“ das Handwerk legen können“, auch mehr als daneben.
Warum beschimpfen eigentlich „Tierfreunde“ Bestien immer als Schweine???
Das hat kein „Schwein“ verdient!!

[…] in dieser Form zugetragen hat oder ob es sich hier eventuell nur um ein Gerücht wie z.B. damals in Lippstadt […]

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