Wie schnell wirkt ein Kontaktgift beim Hund?

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 22.08.2019 um 09:38 Uhr, 1 Kommentar
Viele Kontaktgifte stammen aus der Gruppe der Insektizide

Wir alle kennen diese grausamen Meldungen aus sozialen Netzwerken bei denen ein Hund bereits durch bloßen Pfotenkontakt oder durch Lecken des eigenen Fells mit Hilfe eines unsichtbares Giftes innerhalb weniger Minuten verstorben sein soll. Aber gibt es diese Fälle wirklich oder sind das alles nur Gerüchte?

Wir selbst weisen in unseren Online-Kursen immer wieder darauf hin, dass bei einer Vergiftung in den allermeisten Fällen mehr als ausreichend Zeit bleibt um den nächsten Tierarzt zu erreichen. Aus vielen Gesprächen mit Tierärzten wissen wir darüber hinaus, dass der „plötzlich tot umfallende Hund“ im Praxisalltag so eigentlich nicht existiert und wenn, dann liegen dem meist ganz andere Gründe wie z.B. eine länger nicht diagnostizierte bzw. verschleppte Krankheit oder immundefekte als Todesursache zu Grunde.

Gestern wurde ich jedoch von einem unserer Nutzer per E-Mail auf einen Zeitungsartikel aufmerksam gemacht in dem von sogenannten Kontaktgiften die Rede war. Also Gifte, die über den Hautkontakt in den Kreislauf gelangen können. Dort wurde u.a. eindringlich davor gewarnt, dass dieses Gift auch für Hunde tödlich sei.

Das hochtoxische Nervengift ist zwar europaweit seit 2008 verboten, aber es ist trotzdem noch immer problemlos in Deutschland unter teilweise anderen Handelsnamen zu beschaffen und daher werde ich im Verlauf des Artikel weder den Wirkstoff nennen, noch werde ich den ursprünglichen Artikel verlinken um niemanden auf „dumme Ideen“ zu bringen. Ich bitte da einfach um Verständnis!

Das Gift wurde u.a. verboten weil es nicht nur für Tiere, sondern auch für den Menschen gefährlich ist. Erste Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. In weiterer Folge können Muskelzuckungen, Krämpfe und eine Versteifung der Muskulatur – vor allem im Bereich des Gesichts und des Nackens – auftreten.

Auch psychische Veränderungen, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen sind möglich. Schließlich kann es zu einer Lähmung der Atmung kommen, die zusammen mit dem Abfall des Blutdrucks zum Tod führen kann.

Der Wirkstoff bzw. Giftstoff gelangt auf 2 Wegen in den Körper:

  • ORAL: Das bedeutet, dass Gift wurde z.B. in einem Köder (Fleisch etc.) versteckt und wird dann vom Hund gefressen. Die Aufnahme erfolgt dann über die Verdauung des Hundes.
  • PERKUTAN: Das bedeutet, dass Gift wird bei direktem Kontakt über die Haut in den Körper bzw. in den Organismus aufgenommen.

Die Frage nach der Wirksamkeit kann daher leider auch nicht pauschal beantwortet werden. Wie so oft hängt es grundsätzlich erstmal von der Dosis des Giftes, also der aufgenommenen Menge ab. Bei Hunden liegt die Toxizität des Wirkstoffs in diesem Fall bei ca. 10mg Gift pro Kilogramm Körpergewicht.

Ein großer Hund müsste also schon mehrere Köder unbemerkt vom Halter herunterschlingen und selbst dann besteht noch eine große Chance, dass ein Tierarzt dem Hund helfen kann. Je nachdem wie schnell das Verdauungssystem arbeitet vergehen sicherlich mehrere Stunden bis sich die ersten Symptome zeigen.

Bei der Aufnahme des Wirkstoffs über die Haut (PERKUTAN) verhält es sich ähnlich! Grundsätzlich nimmt der Körper des Hundes den Wirkstoff über die Haut erstmal langsamer und in geringerer Dosis auf als oral über einen Frassköder und daher müsste ein betroffener Hund schon über längere Zeit und über eine sehr große Hautfläche mit dem Gift in Kontakt kommen um eine tödliche Vergiftung zu erleiden.

Einfach mal kurz mit den Pfoten durch eine „vergiftete Pfütze“ laufen wird also keine in Sekunden tödliche Reaktion bei eurem Hund hervorrufen. Auch dann nicht, wenn in sozialen Netzwerken von angeblich betroffenen Hundehaltern gebetsmühlenartig immer wieder etwas anderes behauptet wird.

Ich kann nur appellieren, dass Ihr euch bei solchen Themen durch andere Hundehalter und durch die Medien nicht verrückt machen lasst! Wenn Ihr euch unsicher seid, dann sprecht doch einfach mal offen mit eurem Tierarzt über diese Fragen oder schaut auch gern mal bei unseren Online-Infoverstaltungen rein.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

1 Reaktion

Permalink
  • von Beate
  • 11. Oktober, 2019

Percutane Aufnahme von Gift durch den Hund.
Danke für diesen Artikel. Gott sei Dank steht ein Hund auch in der Regel nicht sehr lange an einer Stelle um riesige Mengen des Giftes aufzunehmen. Bei Regen kommt es auch schnell zu einer Verdünnung des Giftes am Boden und vielleicht sollte man seinen Hund nicht durch jede Pfütze laufen lassen.

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