Hilft Knoblauch bei Hunden tatsächlich gegen Zecken und Flöhe?

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 26.05.2014 um 11:39 Uhr, 17 Kommentare

Zecke auf dem Hund

Hundehalter scheinen für die Verbreitung von Gerüchten eine dankbare Zielgruppe zu sein, denn anders kann ich mir persönlich nicht erklären, dass sich teilweise seit Jahren immer wieder die selben Warnungen und oftmals sogar gefährliche Ratschlage wie ein Lauffeuer verbreiten. Ein gutes Beispiel dafür ist die angebliche Gefahr, die nach Meinung vieler Hundehalter von Swiffer-Tüchern für Hunde und Katzen ausgehen soll.

Auch beim Thema „Zeckenschutz“ werden Diskussionen oftmals hitzig geführt, denn leider schwören noch immer zu viele Hundehalter auf die Allzweckwaffe „Knoblauch“. Aber ist Knoblauch wirklich wirksam gegen Zecken und noch wichtiger, darf ich bedenkenlos Knoblauch an  meinem Hund verfüttern?

Wir haben Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit zu diesem Thema befragt und die Antwort auf diese Frage dürfte viele erstmal leicht schockieren, denn Knoblauch zerstört das Blut des Hundes und führt zu einer so genannten Hämolyse! Knoblauch ist also für den Hund gesundheitsschädlich!

Was macht er eigentlich mit ZECKEN und Würmern?
Das Spannende vorweg: …nichts!

Aber erstmal von vorne: es hält sich krampfhaft der Irrglaube, dass Knoblauch gegen diverse Parasiten und Krankheitserreger schützen soll – z.B. gegen Zecken, Flöhe, Würmer und zeitweise auch Tollwut…. So, das erstmal sacken lassen.

Fakt ist, dass Knoblauch (Sativum allium) zu den Lauchgewächsen gehört und giftige Stoffe für Hund und Katze enthält. Diese schwefelhaltigen Verbindungen bewirken bei Hunden u. Katzen eine sogenannte Hämolyse – das bedeutet, dass rote Blutkörperchen zerstört werden. Dem Mund des klugen Schweizer Arztes Paracelsus entfuhr einmal: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei.“
So gibt es folgende offizielle Dosisangabe:
Toxische Dosis für Hunde bei 5g/kg Körpergewicht ganzer Knoblauch oder 1.25 ml/kg Körpergewicht Knoblauchextrakt während 7 Tagen (Lee et al., 2000; Means, 2002)
Das ist schon ’ne Menge, die man da verfüttern müsste, um laut dieser Studie in den toxischen Bereich zu kommen…
ABER es gibt einige klitzekleine Haken an diesen pauschalisierten Angaben:
1. gibt es bei jedem Wirkstoff individuelle Schwankungen (auch bei den Natürlichen) – so braucht mancher Patient bis zu Symptomen schon deutlich weniger
2. das Fehlen von Symtomen bedeutet nicht, dass er/sie trotzdem gesund ist
3. es gibt meines Wissens nach keine seriöse Studie, die die vermeintlichen Abwehrmechanismen belegt
4. mit frei verkäuflichen Medikamenten, die hohe Knoblauch-Konzentrationen aufweisen, kommt es leider schneller als gedacht zur „Überdosierung“

Und noch etwas: mit einer Blutarmut ist nicht zu spaßen… (ist bei „natürlich“ durch Knoblauch geschützte Patienten leider gar nicht mal so selten)

Daher rate ich jedem, der nur das Beste für seinen Liebling will, TÄGLICH seine Familienmitglieder (egal ob mit oder ohne Fell) in den warmen Jahreszeiten nach Zecken abzusuchen. Oder anderweitig vorzubeugen.

Dass es synthetische Wirkstoffe zur Zeckenprophylaxe gibt dürfte jedem klar sein – darauf soll hier aber mal nicht eingegangen werden. Genauso wenig wie auf Impfungen, Barf oder sonstige Dauerthemen – auch wenn’s Vielen schwerfallen wird… 😉

Zur Vollständigkeit die möglichen Symptome einer Intoxikation: Erbrechen, Durchfall, Schwäche, gesteigerte Atemfrequenz, gesteigerte Herzfrequenz, Blutarmut, Gelbsucht, blutiger Urin, …

Nur weil etwas natürlich ist muss es noch lange nicht ungefährlich sein!

Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit

Habt Ihr das gewusst? Ich kann mir vorstellen, dass viele von dieser Antwort sehr überrascht sein werden, oder?

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

17 Reaktionen

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Guten abend.

Hier in diesen bericht wird es erwähnt das knoblauch giftig für die hunde sei.

Nun meine frage wie kommt es dazu das es im fressnapf u zoo &co knoblauchhaltige leckerlis zu verkaufen gibt.ich bin wirklich davon ausgegengen das es gegen flohe u zecken hilf.das sie nun giftig lfur meinen besten gibt macht mich traurig.
Lg Peggy Rose

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  • von Nadine Hommann
  • 26. Mai, 2014

Ich benutze ein Knoblauchpräparat extra für Hunde und habe weder ein Problem mit Zecken noch mit Flöhen bei meinen 2 Golden Retriever Welpen.Sehr wohl aber habe ich ein Problem damit, meinen Hunden etwas ins Fell zu spritzen, wo auf der Anleitung steht, dass ich sie 1-2 Stunden nicht anfassen darf.NATÜRLICH GIBT MAN NICHT ROHEN KNAUBLAUCH KOMPLETT, DENN DAS IST GEFÄHRLICH.

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  • von S.Waskönig
  • 27. Mai, 2014

Vielleicht hätte sich der Autor die Zeit nehmen sollen, das mal durchzurechnen.

„5g pro Kilogramm Körpergewicht ganzer Knoblauch sind für unsere Hunde also toxisch. Nachvollziehbar, wenn wir uns diese Mengenangabe einmal auf der Zunge zergehen lassen. Eine Knoblauchzehe wiegt etwa 2 bis 3g. Ich müsste dem armen Tier also 7 Tage lang täglich 125g puren Knoblauch verabreichen = etwa 50 Zehen, um die toxische Dosis zu erreichen.“ (25 kg schwerer Hund)
http://www.hund-jagd.de/content/index_html?a=3&b=16&docID=1458

Das ist ja zum totlachen, was hier künstlich zum Problem erhoben wird!
Die Wahrscheinlichkeit, eine hämolytische Anämie durch nutzlose Impfungen zu entwickeln ist weitaus größer, denn dies ist eine durch Studien belegte Nebenwirkung von Impfungen.

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  • von Nina
  • 27. Mai, 2014

Die Dosis macht das Gift – da haben wirs. Damit ein Hund eine sogenannte Hämolyse bekommt, müsste man ihn schon einen längeren Zeitraum einer Überdosis an Knoblauch aussetzen. Lt. wissenschaftlichen Untersuchungen 5g pro Körpergewicht des Hundes. Das wären bei einem zB 10kg Hund 50g Knoblauch täglich über eine Woche lang!

Tatsächlich aber gibt es wirklich keine Studie, die beweist, dass Knoblauch wirklich gegen Zecken o.ä. hilft. Nichtdestotrotz gibt es aber Studien die besagen, dass sich Knoblauch günstig auf die Gesundheit des Hundes auswirken und in manchen Fällen sogar Krebszellen hemmen kann.

Zwecks Knoblauch in Hundefutter: das ist meist entschwefelt – somit sind die Schwefelverbindungen, die zur einer Hämolyse führen können nicht mehr vorhanden und man kann Hundefutter mit Knoblauch ohne Bedenken verfüttern 🙂

Drum finde ich diese Panikmache genauso unangebracht, wie tonnenweise Knoblauchzehen zu verfüttern … womit wir wieder bei „Die Dosis macht das Gift“ wären …

Eine Alternative zum Knoblauch allerdings wäre hochwertiges Kokosöl oder Kokosflocken, die darin enthaltene Laurinsäure hilft bei der Zeckenabwehr 🙂

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  • von Daniela
  • 23. August, 2014

Also ich muss sagen, ich bin seit etlichen Monaten leidenschaftliche Barferin und gebe meinem Hund Knoblauch (max 2 Zehen in der Woche!!!! also weit weg von irgendwas toxischem), Schwarzkümmelöl und Kokosöl zu Zecken und Parasitenprofilaxe und ich kann nur eines sagen – so wenig Zecken wie heuer hatte er noch nie!!!! und er ist Rettungshund der viel durch Gebüsch, hohes Gras usw rennt!!!!
Was wirklich geholfen hat von den 3 Dingen kann ich nicht sagen – fakt ist dass!
Prinzipiell soll jeder machen wir er glaub, was ich unangebracht finde ist eine von der Wirtschaft angezettelte Panikmache – kaufts besser Chemie – sprich Zeckenhalsbänder, diese Tropfen zum Auftragen usw. – weil natürliche Sachen wo die keinen Umsatz machen, sind hochtoxisch! Das hab ich schon längst durchschaut!

[…] Knoblauch zur Abwehr von Parasiten. Fakt ist jedoch, dass große Mengen Knoblauch deinem Hund sogar gesundheitlich schaden […]

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  • von Anja
  • 24. September, 2014

Ich finde es gut, dass hier einmal Aufklärung betrieben wird, allerdings scheint es mir auch etwas übertrieben. Egal, wie stark der Hund von Flöhen befallen ist, solche horrenden Mengen Knoblauch würde man ihm wohl nicht verabreichen. Nichtsdestotrotz sollte man etwas gegen den Flohbefall unternehmen, da Flöhe nicht ungefährlich sind, auch vor menschlichen Wirten nicht zurückschrecken und sogar zu Überträgern von Bandwürmern werden können. Vielleicht doch auf das gute alte Flohhalsband zurückgreifen?
beste Grüße
Anja

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  • von Ulla
  • 22. Februar, 2015

Da hab ich aber von einer Hamburger Kleintierklinik ganz andere Informationen – bei kritische-tiermedizin.de sind zu diversen Themen interessante Beiträge zu lesen!

http://www.hamburger-fortbildungstage.de/2008/Zeckeninvasion.html

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  • von Ulla
  • 22. Februar, 2015

Und das zu …. „Knoblauch ist für Hunde giftig“

http://www.hamburger-fortbildungstage.de/2008/Glaubenskrieg_um_Knoblauch_und_so.html

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  • von Ulla
  • 22. Februar, 2015

und hier ein Artikel zu … „Knoblauch ist giftig“

[…] Alternativen können unter Umständen auch ähnlich gute Erfolge liefern wobei andere wiederum auch gefährlich sein können, was leider zu gerne verschwiegen […]

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  • von Mandy
  • 22. August, 2015

Huhu
Also ich gebe meinen Hunden schon jahrelang Knoblauch gegen Zecken und dies höchstens 1 Zehe im Monat. Wir hatten noch nie Zecken, noch nicht einmal eine die sich verirrt hat.
Ich füttere meine Hunde ja nicht NUR mit Knoblauch und es ist alles tutti. Ihr müsstet euch lieber mal die chemischen Sachen angucken, was die so enthalten und anrichten können. 😉
Lg

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  • von mary
  • 08. Mai, 2016

ich habe gestern meinem knuddel eine knoblauchzehe gegeben,nachdem was ich da jetzt alles lese ,bin ich verunsichert.
ich glaube ich gebe ihm keine mehr!
chemie will ich ihm aber auch nicht geben, wer kann mir einen guten tip geben?

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  • von Grosch
  • 03. Juli, 2016

Hallo
Ich hatte jetzt nur gutes über Knoblauch gehört und wollte meinem Hund auch eventuell was gutes tun -bisher habe ich ihm an 2 Tagen 2 kleine Zehen gegeben (nicht wegen Zecken) nur jetzt werde ich das nicht mehr tun .Jetzt weiß ich ja bescheid

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  • von Melli
  • 09. November, 2017

Hier eine Studie, die an Menschen durchgeführt wurde, die Hinweise auf die Wirksamkeit gibt:
https://www.zecken.de/de/news/wissenschaft-und-forschung/knoblauch-gegen-zecken

Und in dem verlinkten Artikel weiter oben ist auch zu entnehmen, dass es bei geringer Zufuhr keine Veränderungen des Blutbildes gab.
http://www.hamburger-fortbildungstage.de/2008/Glaubenskrieg_um_Knoblauch_und_so.html

Ich denke, man sollte sich nicht immer strikt an eine Quelle halten, sondern alle Informationen auswerten und sich auch den Nutzen, sowie die Risiken und Nebenwirkungen synthetischer Mittel gegenüberstellen.

Denn, wenn ich sehe, wie schlapp mein Hund noch tagelang nach Tablettenkur oder Frontline ist, das Fell den ganzen Glanz verliert und man ausdrücklich darauf hinweist, dass man nicht mit der Substanz in Berührung kommen darf… tut mir leid, aber da füttere ich lieber ein wenig Knoblauchöl in minimaler Dosis und meinem Tier geht es blendend.

Letztendlich streiten sich selbst Ärzte zu dem Thema und machen wiedersprüchliche aussagen.

Grüße!

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Hej ich bin nach wie vor für die wohldosierte Behandlung mit Knoblauch.Wie bei allen „Drogen“kommt es eben auf das Maß der zu verabreichende Gäbe an!Selbst in Bücher von Kosmos,Träfe u.Unzer u.anderen Hunderatgeber wird Knblauch z.B.als Hustenmittel oder Zeckenmittel angegeben.
In diesem Sinne viel Erfolg mit Euren Hunden.
Margret

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  • von Manfred
  • 15. Juni, 2020

Allein mir fehlt der Glaube zu diesem Artikel.
Bekanntlich macht die Dosis das Gift.
Mein kleiner Bichon frisè bekommt so im Abstand von 1-2 Wochen etwas Knoblauchwurst (2-3 Rädchen).
Er hatte dieses Jahr bisher 2 Zecken, wobei eine sich noch nicht einmal festgefressen hat.
Sein Schwesterchen (anderes Frauchen) bisher 8-10 Zecken.
BEIDE Hunde toben sehr oft miteinander bei mir im Schrebergarten über Stunden hinweg.
BEIDE Hunde dürfen in Feld,Wald und Wiese sich auch ausserhalb des „geschützen „Gartens bewegen.
Schwestechen bekommt Zeckenmittel vom Tierarzt, Juuki nicht.
Ergo: was ist jetzt wohl besser oder schädlicher? CHEMIE oder Knoblauch?
Ich denke die Frage erübrigt sich, nachdem auch schwedische Forschen Untersuchungen gemacht haben mit Soldaten und Knoblauch gegen Zecken wohlwollend beurteilten.

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