Über die Netz-Hysterie und die typischen Facebook-Reflexe

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 14.03.2014 um 08:53 Uhr, 9 Kommentare

hund-angelschnur-frolic

Schon mehrfach habe ich an dieser Stelle einen scheinbar aussichtslosen Kampf geführt, denn immer und immer wieder fordere ich von unseren Nutzern die Giftköder-Meldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. grundsätzlich zu hinterfragen. Doch statt sich mit dem Thema einmal ausführlich auseinanderzusetzen führen viele von euch „nur“ die typischen Killerphrasen und Totschlagargumente ins Feld:

„Lieber einmal zu viel, als einmal zu warnen!“

Klar, wer möchte es schon wagen einer solchen Aussage zu widersprechen? Letztendlich handelt es sich hierbei aber auch am Ende nur um leere Scheinargumente von Hundehaltern, die eine echte konstruktive Diskussion zu diesem Thema mangels eigener Argumente oftmals nicht zulassen wollen.

Andere Hundehalter warnen kann doch grundsätzlich nicht schlecht sein. Punkt. Aus. Thema erledigt. Das diese Denkweise jedoch schon im Ansatz vollkommen falsch ist, zeigt uns sehr deutlich ein aktueller Kommentar zu den vermutlichen Giftködern in Ascherleben von Kristina Hammermann in der Mitteldeutschen Zeitung.

Da taucht ein Bild im Internet auf: Achtung Giftköder! Der typische Facebook-Reflex wird damit ausgelöst. Konsumieren. Kommentieren. Teilen. Die Macht der sozialen Netzwerke.

Was von vielen Nutzern anfangs als guter Zweck verfolgt wird, entpuppt sich später als der Beginn einer großen Welle von scheinbarer Betroffenheit und Hysterie. Doch nach dem Mausklick ist leider oftmals der Aktionismus schon wieder beendet. Kritisches Hinterfragen? Fehlanzeige!

So wird im Netz schnell aus einer Vermutung eine Behauptung, die wiederum in den Köpfen der Leser zu einer ungeprüften Wahrheit wird. Einer Scheinwahrheit…

Dabei wäre es wichtig, der Aktion aus der virtuellen Welt eine Aktion aus der realen Welt folgen zu lassen. Sprich: Im besagten Fall, die Polizei zu informieren oder Fachleute hinzuzuziehen. Eine Warnung im Netz aufgrund von Vermutungen ist gut gemeint, aber eine Warnung basierend auf Fakten wäre besser.

Persönlich finde ich, dass diese Worte es exakt auf den Punkt bringen! Dabei geht es in dem Kommentar viel weniger um die Bereitschaft im Netz andere Hundehalter zu warnen, als um die Bereitschaft auch nach dem Mausklick noch aktiv zu werden. Für viele von uns endet die Solidarität mit anderen Hundehaltern schon wenige Zentimeter hinter dem eigenen Monitor oder Smartphone-Display.

Wir sind schnell dabei, wenn es darum geht unseren Unmut in sozialen Netzwerken zu verbreiten, aber wenn es darum geht einen Fund auch bei der Polizei zur Anzeige zu bringen, dann sinkt der Bereitschaft bei vielen Hundehaltern dramatisch. Warum ist das eigentlich so?

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Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

9 Reaktionen

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  • von Mueller
  • 14. März, 2014

In diesem speziellen Fall: Bequemlichkeit und realistische Einschätzung.

Foto machen, hochladen, „Vorsicht Giftköder!“ eintippen, posten – das ist einfach. Das geht schnell.

Der Gang zu Polizei bedeutet hingegen Wartezeit, das Ausfüllen von Formularen usw. Und wofür? Wie hoch sind die realistischen Chancen, den Täter zu finden?

In diesem Fall kann ich das Posten ohne zu Hinterfragen also durchaus verstehen.

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  • von Armin
  • 14. März, 2014

Das Wichtigste:

Gebt den Idioten keine Plattform! Denen geht doch einer ab, wenn sie in der Lokalpresse Ihren Köder wieder finden.

Vorschlag zur Vorgehensweise:
Bei eindeutigen Ködern:
– Foto erstellen, in Gassi- Sackerl eintüten und zur Polizei
– Suchen, ob es weitere Köder gibt.
– Warnzettel anbringen und andere Hundehalter informieren

Bei Zweifelsfällen (komische Eier, Wurststücke usw.)
– Ins Sackerl und entsorgen…
– Suchen, ob es weitere Köder gibt.
– Ohren auf…

Bitte _nicht_ überregional „Werbung“ für Giftköder machen.
Das bringt die falschen Personen auf perverse Ideen, hilft aber den Betroffenen vor Ort in keinster Weise

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  • von Armin
  • 14. März, 2014

Bitte bei eindeutigen Ködern wirklich und umgehend zur Polizei gehen (zumindest per Telefon), da es möglicherweise weitere Vorfälle gibt und in einem laufendem Ermittlungsverfahren noch weitere Beweise und Hinweise fehlen.

Die Polizei braucht alle Tatsachen, um diese Kriminellen Dingfest zu machen. Da kann eine Analyse der Inhaltsstoffe eines frischen Köders zum Täter führen, dem vielleicht schon viele Hunde zum Opfer gefallen sind.

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  • von Vanessa
  • 14. März, 2014

Woher möchte die Person denn wissen, ob derjenige die Polizei benachrichtigt hat oder nicht? Ich zum Beispiel habe umgehend due Polizei informiert, als bei uns in der Straße Gift ausgelegt wurde. Außerdem finde ich es klar, dass man andere Hundebesitzer wart. Es kann schließlich sein, dass nicht alles gefunden wurde und nich immer Gefahr herrscht. Es geht schließlich ums Leben unserer Hunde. Ich finde man sollte sich eher fragen, warum es überhaupt nötig ist.

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  • von Peter
  • 25. April, 2014

Ich habe bis jetzt immer nur Eure Beiträge auf FB geteilt. Zudem sind sie ja wahrscheinlich da.
Ansonsten habe ich angekündigt, dass ich jedem die Freundschaft aufkündige, der bei mir irgendwelche Beiträge von Kindes – oder Tiermisshandlungen postet.. Das wirkt!

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Hallo,
ich habe auch 2 Hunde und bin immer für Infos Dankbar. Nur habe ich schon des öfteren Bilder von angebliche Giftköder gesehen, die mit sehr hoher Sicherheit keine sind. Denn ich bin auch Angler und was man da auf dem Bild sieht, ist ein sehr beliebter Karpfenköder, den mit Sicherheit ein Angler verloren oder vergessen hat. Frollic werde sehr gerne zum Karpfenangeln genommen und auf den Bild ist genau das System wie man es beim angeln benutzt. shitstorm kann man schnell auslösen, nur unnötige angstmacherei gehört eigentlich zur Boulevardpresse und nicht auf solche Seiten.

Gruß Micha

[…] schnell sich haltlose Gerüchte verbreiten und daher raten wir grundsätzlich jede Meldung aus den sozialen Netzwerken zu hinterfragen. Oftmals wissen eure Freunde nicht einmal, dass sie da ein Gerücht verbreiten und […]

[…] Warnung erstmal online, dann gibt es keinen Weg mehr “diese Welle” zu stoppen, denn die typischen Reflexe sorgen dafür das sich der Vorfall unkontrollierbar […]

[…] haben können und ich würde mich auch freuen, wenn der Protest von uns Hundehalter nicht bereits beim Mausklick endet, sondern wenn wir es gemeinsam im nächsten Jahr schaffen, uns untereinander mit Respekt zu […]

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