Bonn: Selbsternannter Tierschützer zeigt fast 1300 Hundehalter an

Abgelegt von Amalia Schoppengerd am 13.08.2013 um 11:29 Uhr, 9 Kommentare

Foto: Uwe Schinkel
Foto: Uwe Schinkel

In Beuel bei Bonn streift ein selbsternannter Natur- und Tierschützer durch die Siegaue und zeigt Hundebesitzer an, die sich nicht an die vorgeschriebenen Regeln des Naturschutzgebietes halten. Von der Biologischen Station Bonn und der Kreisgruppe Bonn des Naturschutzbunds (Nabu) erhält er sogar Rückendeckung.

Monika Hachtel von der Biologischen Station erklärte in einer Stellungnahme gegenüber der Presse:

Seit etwa zehn Jahren versuchen wir, dem Problem Herr zu werden – ohne Erfolg. Da wir keine personellen Möglichkeiten haben, selbst im Naturschutzgebiet Siegaue zu kontrollieren, sind wir sehr dankbar, dass sich Privatpersonen die Zeit nehmen und darauf achten, dass die Naturschutzgebietsverordnung eingehalten wird.

Der Tierschützer, der wegen möglicher Anfeindungen nicht namentlich genannt werden möchte, hatte anfangs mehrfach versucht zunächst freundlich mit den anwesenden Hundehaltern zu sprechen um sie so auf die geltende Naturschutzverordnung in der Siegaue aufmerksam zu machen.

Aber ich habe nur Unverständnis bis hin zu Beschimpfungen erfahren.

Da diese Maßnahme jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führte, legte sich der engagierte Mann schließlich auf die Lauer um die Hundehalter bei ihren Verstößen samt ihrem Autokennzeichen zu fotografieren. Anschließend wurden die jeweiligen Personen beim Ordnungsamt der Stadt Bonn angezeigt. Seit 2012 sollen nach Angaben des Tierschützers bereits 1300 Anzeigen zusammengekommen sein. Aus datenschutzrechtlichen Gründen möchte die Stadt Bonn diese Zahlen jedoch nicht öffentlich kommentieren oder bestätigen.

In der Siegaue gibt es darüber hinaus nicht einmal einen offiziellen Weg, denn das Begehen der von der Landwirtschaft genutzten Wirtschaftswege, wird in der Regel nur geduldet. Hundehalter hätten in der Nähe der Friedrich-Ebert-Brücke auf einer knapp 65.000 Quadratmeter großen Hundefreilaufwiese ausreichend Platz um ihre Vierbeiner frei laufen zu lassen und müssten somit eigentlich auch nicht gegen die Naturschutzverordnung verstoßen, erklärte Christian Chmela, Leiter der Biologischen Station Bonn.

Das Naturschutzgebiet Siegaue ist eines der besten Eisvogel-Reviere weit und breit. Wer das nicht gefährden will, muss sich an die Naturschutzregeln halten.

Geplante Entfesselung der Sieg zwischen Mündung und Autobahn 59 soll das Problem jetzt zumindest langfristig lösen, denn wenn die Uferbefestigungen entfernt werden, kann der Fluss sich ausbreiten und so mehrere von Hundehaltern nicht mehr erreichbare Inseln schaffen auf denen die Eisvögel dann auch hoffentlich ihre dringend benötigte Ruhe für die Brut- und Aufzuchtzeit finden können.

Was meint Ihr? Ist das Verhalten des selbsternannten Tierschützers komplett übertrieben oder ist es vielleicht eine der wenigen Möglichkeiten um uneinsichtige Hundehalter zur Unsicht zu bringen?

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9 Reaktionen

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  • von Gaby
  • 13. August, 2013

Ich finde dieses Verhalten völlig OK. Denn auch ich merke mehr und mehr, wie RÜCKSICHTSLOS Hundehalter werden. Gerade in der Brut und Setzzeit, wenn in Niedersachsen eh Leinenpflicht ist. halten sich ganz viele Hundehalter nicht an die Leinenpflicht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich alle Hundehalter verdamme. Ganz im Gegenteil!!!!! Ich bin selber 3fache Hundehalterin und ich bin auch immer wieder froh, wenn der Leinenzwang wieder vorbei ist und meine Hunde frei laufen dürfen. Aber gerade im Natur und Landschaftsschutzgebiet ist nun mal das ganze Jahr über Leinenpflicht. Und wer nun meint, dass er da spazieren gehen muss, dann bitte Hunde an die Leine. Ich habe auch schon einige Hundehalter angesprochen und habe immer wieder dämliche Antworten bekommen. Denn wird der Mensch kritisiert, reagiert er mit frechen Antworten oder wird noch beleidigend. Der Mensch kann nun mal keine KRITIK vertragen. Dabei ist es noch nicht mal als Kritik gemeint. Denn es geht immerhin um die Natur!!!! Und die sollten wir doch hegen und pflegen wo es nur geht. Und wenn ich mit meinen Hunden im Naturschutzgebiet unterwegs bin, bleiben alle 3 selbstverständlich an der Leine!!!!!!! Ich wurde für mein vorbildliches Verhalten schon einmal von einem Jäger gelobt. Dabei finde ich so ein Verhalten selbstverständlich!!!!!!

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  • von Ly Ti
  • 13. August, 2013

Ich denke, dieses Vorgehen ist etwas überzogen. Es ist jedoch schade, daß sich Hundebesitzer nicht an die Vorschriften in Naturschutzgebieten halten. Ich persönlich kenne die Gegend dort nicht – allerdings ist es mir schleierhaft, warum ein landwirtschaftlicher Nutzweg nicht zum Spazierengehen genutzt werden darf. Was stört mehr – der Traktor oder ein Hund? Ausserdem können ja nicht alle Hunde eines Ortes auf einer einzigen Freilauf-Hundewiese zusammentreffen. Wenn es da mehr Möglichkeiten gäbe, würden Hundebesitzer wahrscheinlich nicht unbedingt ins Naturschutzgebiet gehen.

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  • von Knutsen
  • 13. August, 2013

Ich freue mich, dass es Personen wie Gaby gibt, die offensichtlich nicht ignorant der Umwelt gegenüber stehen, und hier die Natur schützen.
Ich möchte mal sehen, wie Hundehalter reagieren würden, wenn jeden Tag eine Horde grölender Hundehalter durch eine Welpenstation rennen würde um diese aufzuscheuchen, bis die Weibchen die Welpen nicht mehr säugen wollen…
Egoismus ist eine tolle Lebenseinstellung – Rücksichtnahme bitte nur von anderen ?

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  • von Juliane
  • 14. August, 2013

sorry, wie alle wissen bin ich für Natur- und Tierschutz 😉 aber der Typ hat ne Macke!!! Schon allein ist das sicher der Vollidiot wegen dem sich zig Leute einen riiiiiesen Kopf gemacht haben, weil da einer plötzlich Fotos von Leuten macht (und man muss sagen, dass nicht nur Fotos von Leuten im „Naturschutzbereich“ gemacht wurden, sondern besonders gerne Fotos von Mädels im Bikini) und sich manche Frauen zu gewissen Uhrzeiten wo wenig los ist nicht mehr an die Hundewiese getraut haben, weil sexuelle Übergriffe befürchtet wurden. Würde mich mal Interessieren wann denn die Brutzeiten dieser Vögelchen sind, die Fläche wird schlißlich regelmäßig landwirtschaftliche bearbeitet (aber das stört die Vögel sicherlich ja nicht *husthust*)! Wie wäre es denn mal, wenn dieser Typ lieber abends und in den frühen Morgenstunden unterwegs iust, wo die ganzen fuckig Grill-& Saufmenschen ihren ganzen Müll am Rhein „verlieren“ oder „vergessen“. Grade wir Hundehalter sind diejenigen, die mit am Rhein für Ordnung schaffen, sowohl ich als auch viele andere sammeln regelmäßig beim Gassi die ganzen Müllberge weg!!!! Die auf der Hundewiese stehenden Mülleimer, die eigentlich für die Hundeleute sind, werden auch zugemüllt! Wo bleiben denn mal endlich weitere Müllcontainer? Grade an dem Kläranlagenparkplatz???? Und seit wann darf ich einfach Fotos von mir Unbekannten machen und Anzeige erstatten???? Da kann ja jeder kommen!!!! Darf ich mich jetzt auch mit ner selbstgebauten Radarpistole auf meine Straße stellen, weil mir die Leute da immer zu schnell her fahren und da nicht nur so scheiß Eisvögel gefährdet sind, sondern Menschen????!!!! Ansolute Unverschämtheit, dass der von Nabu und co unterstützt wird! Dickes No-Go!!!

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  • von Hundehalter
  • 14. August, 2013

Sollte der Spacko mich nur einmal fotografieren, ist es das letzte Foto was er tätigt!

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  • von Christin
  • 14. August, 2013

Okay, an „hundehalter“
genau DIESE Reaktion ist das allerletzte.
Wenn man sich den Regeln entsprechent verhält, ist es nicht nötig das dieser Typ einen Fotographiert, oder nicht?
das ist das selbe wie Geblitz werden! man tut etwas Regelwiedriges, im Falle von Geschwindigkeitsbegrenzungen soll das Leben retten, weil man nicht fahren darf wie eine besengte Wildsau, und in Naturschutzgebieten und Wald/Ufer-Zonen sollte man die Hunde an die Leine nehmen und Rücksichtsvolles Verhalten zu Tage bringen, um andere Menschen und besonders die Tiere nicht zu stören, die dort Leben und versuchen ihre Brut durchzubringen.
Genau DIESES verhalten -> Motzen und Androhung von Gewalt von wenigen (wie dir grade) bringt jeden HUNDEHALTER in Verruf, besonders weil du dich anscheinend so SCHIMPFT!
Liebe Grüße von der 2-fach Hundebesitzerin
Christin

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  • von Anna
  • 14. August, 2013

Ich finde das Verhalten des Fotografen nicht gut. Es ist megaunheimlich, wenn man sich nicht sicher sein kann, ob da nicht irgendwo im Gebüsch einer sitzt und einen fotografiert (und das tut der gute Mann!). Nur weil er eben schlechte Erfahrungen mit ein paar Hundehaltern gemacht hat, die seine Vorschläge missachtet haben (und da ist auch die Frage, ob er höflich darum gebeten oder ob er es anklagend-motzig gesagt hat), finde ich das schon ein bisschen drastisch. Auch die Tatsache, dass er schon einige Leute bis nach Hause verfolgt hat, um sie dort zu bespitzeln, finde ich sehr sehr seltsam und absolut nicht in Ordnung!
Von der Stadtverwaltung finde ich es falsch, da z.B. auf die Studie des Mannes, dass die Beleuchtung des Posttowers die Vögel vertreibt nicht eingegangen wurde! (siehe: http://www.lichtverschmutzung.de/dokumente/PostTower_und_Vogelwelt.pdf) Das wäre doch eine sinnvollere Maßnahme, da die Beleuchtung doch kein Mensch braucht….

Natürlich ist es doof, wenn die Vögel durch die Hunde beim Brüten gestört werden, aber 1. warum sperrt die Stadt die Wege dann zu den entsprechenden Zeiten nicht einfach ab und 2. bleiben die Hunde auf den landwirtschaftl. Nutzwegen, wo eh keine Vögel brüten…

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  • von Knutsen
  • 14. August, 2013

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: er fotografiert nur solche, die sich nicht an die Regeln halten, daher steht ja sogar der Nabu hinter ihm…
Wie ich schon sagte – Rücksichtnahme ? Bitte nur von anderen. Egoismus pur.

Diejenigen, die sich hier aufregen, sollten ihr eigenes Verhalten überdenken.

„Das Naturschutzgebiet Siegaue ist eines der besten Eisvogel-Reviere weit und breit. Wer das nicht gefährden will, muss sich an die Naturschutzregeln halten.“

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  • von Crash2001
  • 11. September, 2013

Wer einen Hund hält, hat sich schlicht und einfach an bestimmte Regeln zu halten. Wer das nicht macht, muss halt damit rechnen, dass er eine Anzeige oder Strafe bekommt – in letzter Konsequenz sogar, dass ihm der Hund weggenommen und ihm eine weitere Tierhaltung untersagt wird aufgrund mangelnder Kompetenz in der Hundeführung.

Meiner Meinung nach wird das vielerorts viel zu lasch gehandhabt und manche Hundebesitzer sind sowas von uneinsichtig, arrogant, dumm und aggressiv, dass man sich nur noch an den Kopf packen kann, wieso solche Personen überhaupt einen Hund halten dürfen, wenn sie keine Ahnung davon oder keinerlei Interesse daran haben.

Das fängt an mit dem Hundekot nicht wegmachen, den Hund frei laufen zu lassen, wenn eigentlich Leinenzwang herrscht (es geht hier ja auch nicht nur um die Brutzeit der Vögel, sondern auch um diverse andere Sachen), den Hund nicht unter Kontrolle zu haben (Hund läuft ausserhalb der Blickreichweite von Herrchen/Frauchen herum oder sie kümmern sich einfach nicht darum, was ihr Hund macht, sondern sind z.B. mit dem Smartphone beschäftigt o.ä.), Gefahren nicht zu erkennen oder in keinster Weise darauf zu reagieren, wenn dies eigentlich erforderlich wäre.

Wer seinen Hund frei laufen lässt, hat stets dafür Sorge zu tragen, dass er ihn dennoch jederzeit unter Kontrolle hat – ansonsten darf er ihn schlicht und ergreifend nicht frei laufen lassen (Ausnahmen sind nur Privatgelände oder ausgewiesene und eingezäunte Hundewiesen) oder muss darauf achten, dass er sich in einem Bereich um seinen Besitzer bewegt, in dem er noch auf ihn einwirken kann.
Alles andere ist in meinen Augen einfach nur fahrlässig.

Es geht ja nicht nur darum, dass der eigene Hund etwas anrichten könnte, sondern er könnte genauso auch zu einem bissigen Hund an der Leine (Stichworte: Leinenbissigkeit oder „Stutenbissigkeit“ unter Weibchen) laufen und verletzt werden, sich durch Scherben auf dem Boden verletzen, vergiftete Hundeköder oder giftige Sachen fressen/trinken, unter die Räder von Fahrzeugen kommen, von einem Jäger irrtümlich erschossen werden, da ein herrenloser wildernder Hund vermutet wird (ein Jäger hat übrigens das Recht, jeden Hund zu erschiessen, der in der Zeit, in der Leinenpflicht herrscht, ohne Leine z.B. im Wald herumläuft!), oder ähnliches. In solchen Fällen ist das Geschrei dann immer gross auf Seiten des Hundebesitzers – vorher wird sich über so etwas jedoch oftmals keine Gedanken gemacht und die Meinung vertreten, dass bisher ja noch nie etwas passiert ist und daher auch nichts passieren wird.

Die gegenseitige Rücksichtname auf andere Hundehalter oder die Umwelt generell fehlt auch diversen Hundebesitzern.

Ich habe prinzipiell nichts gegen Hundebesitzer (bin ja selber auch einer), aber es gibt halt einfach Regeln und bestimmte Verhaltenskodexe, an die man sich halten sollte. Macht man das, gibt es keine Probleme. Ignoriert man sie, wird der Ruf aller Hundebesitzer im Zweifel geschädigt und es kann zu diversen Problemen kommen.

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