Der Todfeind: Zecken – Was tun? Was hilft? Was kann passieren?

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 20.03.2015 um 09:47 Uhr, 0 Kommentare

Foto: Zeckenwetter.de
Foto: Zeckenwetter.de

Es beginnt wieder, zwar noch langsam… aber jeden Tag werden es in der Sprechstunde mehr – die Rede ist von diesen braun-rötlichen Biestern, die so niemand leiden kann! Aber was kann man tun?

Eines vorweg: es gibt kein Allheilmittel! Das EINE Mittel, welches bei Patient A wahre Wunder vollbringt, kann bei Patient B wirken wie Smarties oder Traubenzucker. Es gibt mittlerweile eine derart große Auswahl an Präparaten, Wirkstoffen und Wirkungsweisen, dass man schnell den Überblick verlieren kann.

Daher hier mal ein kurzer Überblick

Ich denke die bekannteste Variante ist die chemische Bekämpfung – dabei werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt um die Parasiten entweder abzuschrecken (repellieren) und/oder bei der Blutaufnahme zu töten.

Hier gibt es zum einen die Spot-Ons, die man auf die Haut aufträgt und i.d.R. ca. 4 Wochen Schutz bieten sollen und zum anderen seit letztem Jahr die Möglichkeit mittels Tablette längerfristig zu schützen.

Die Wirkung tritt übrigens bei den Tabletten bedeutend schneller ein als bei Spot-Ons! Speziell beschichtete Halsbänder können ebenfalls guten Erfolg bieten – auch wenn schwierig, bitte die Tiere mit Bändern nicht in natürliche Gewässer lassen, da sie mitunter toxisch für Wasserlebewesen sein können.

Die prominentesten Wirkstoff-Vertreter sind Permethrin und Fipronil. Rein pflanzliche Präparate erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dazu zählen z.B. Schwarzkümmelöl, Kokosöl, Teebaumöl und Knoblauch. Manche dieser Alternativen können unter Umständen auch ähnlich gute Erfolge liefern wobei andere wiederum auch gefährlich sein können, was leider zu gerne verschwiegen wird.

Die Zerstörung von Blutkörperchen und Leberversagen sind nur zwei mögliche Nebenwirkungen. Daher bitte vorher immer gründlich informieren. Denn nichts mit einer Hauptwirkung ist nebenwirkungsfrei!

Nach Möglichkeiten der Homöopathie wird ebenfalls ab und an gefragt… das Problem dabei ist, dass sie keine Prophylaxe- sondern eine Regulationstherapie darstellt. Daher fällt sie auf diesem Gebiet komplett aus.

Die Wirkung der öfter beobachteten Bernstein-Halsbänder beruht auf einer elektrostatischen Aufladung des tragenden Hundes. Hierbei gibt es aber auch extreme Unterschiede in der Zufriedenheit der Halter. Bei kurzhaarigen Hunden funktioniert es i.d.R. besser – bei Manchen leider gar nicht.

Während des Tragens darf der Hund nicht mit einem metallischem Kamm oder ähnlichem Utensil gepflegt werden, da dadurch der Effekt aufgehoben wird. Die kleinen Metallplättchen, die man am Halsband befestigt und energetisch aktiviert sein sollen, konnten im Feldversuch definitiv nicht überzeugen. Vom jahrelang anhaltenden Schutz konnten sie nicht mal einen einzigen Tag abdecken.

Kurz zur Zecken-Entfernung

Mechanisch entfernen – dabei spielt es keine Rolle ob man den Parasiten mit oder ohne Drehung (nach links oder rechts) vorsichtig zieht, ob man eine extra Pinzettenzange oder die Fingernägel benutzt. Es ist eine reine Geschmacksache wie man es macht; man muss sich sicher und wohl dabei fühlen!

Nur bitte keine Öle oder ähnlichen Unsinn vorher auf die festgebissene Zecke träufeln – die dadurch gestressten Tiere können ihre Speicheldrüsen spontan in den Wirt entleeren wodurch es zu einer forcierten Infektion mit verschiedensten Erregern kommen kann!

Zu diesen durch Zecken übertragene Erregern zählen hierzulande:

  • Flaviviren => Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME)
  • Anaplasmen => Anaplasmose
  • Borrelien => Borreliose
  • Babesien => Babesiose (Hundemalaria)

Diese möglichen Erkrankungen stellen einen Teil der CVBD (Canine Vector Borne Diseases) dar, sprich der „Parasiten-übertragenen Infektionserkrankungen des Hundes“.

Und noch zu guter Letzt eine ernstgemeinte Warnung

Wenn auf einem Produkt eine durchgestrichene Katze abgebildet ist – bitte befolgen! Das dient zum Schutz der Katze, denn auch schon ein Tropfen wirkt bereits giftig bis tödlich! Dieser Fall „passiert“ jedes Jahr so oft, dass man echt heulen könnte…

Die paar Euros, die man da glaubt zu sparen indem man einfach ein bisschen von der überschüssigen Hunde-Pipette aufträgt, werden durch die anschließende Rettungsversuche des behandelnden Not-Tierarztes locker vielfach getoppt und nicht selten bezahlt die Katze diesen Geiz mit ihrem Leben.

Daher bitte die Warnungen ernst nehmen – sind wirklich nicht grundlos!

Ein Artikel von:
Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

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