Unachtsamkeit: 90% aller Vergiftungsfälle bei Hunden treten zu Hause auf

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 12.08.2013 um 16:10 Uhr, 6 Kommentare

Foto: DPA
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Wenn man die Nachrichten der letzten beiden Jahre verfolgt, dann drängt sich einem oftmals wirklich der Eindruck auf, dass die Anzahl der Vergiftungen bei Hunden von Jahr zu Jahr zunimmt und natürlich wächst mit jeder weiteren Meldung auf unserer Website auch die Sorge unter den Hundehaltern.

Aber ist das nur ein subjektiver Eindruck oder nimmt die Anzahl der Meldungen wirklich zu? Nun, zum einen gibt es natürlich noch immer sehr viele unbelehrbare Hundehalter, die nicht müde werden, vor Giftködern zu warnen, für die es nachweislich keinen begründeten Verdacht gibt und zum anderen tragen natürlich auch Plattformen wie GiftköderRadar dazu bei, dass die gesamte Thematik mehr in den Fokus gerückt wird.

Selbst erfahrene Tierärzte wie Janka Meusel von der Tierklinik am Nürnberger Hafen können glücklicherweise momentan nicht bestätigen, dass Vergiftungsfälle häufiger auftreten als in den Jahren zuvor.

Auf einem Infoabend zum Thema „Giftköder“ im Arche-Noah-Saal des Nürnberger Tierheims gab sie kürzlich den anwesenden Hundehaltern einen praxisorientierten Einblick in ihre Arbeit und konnte so schon gleich zu Beginn viele Teilnehmer beruhigen. In ihrer gesamten Laufbahn sei ihr beispielsweise noch nicht einmal ein mit Rasierklingen gespickter Köder untergekommen. Natürlich gibt es solche Fälle, aber die weit aus höhere Zahl der Vergiftungen haben die Hundehalter aus Unachtsamkeit selbst zu verantworten.

Gut 90% aller Fälle in denen ein Hund oder Katze nach der Aufnahme von Rattengift behandelt wird, sind darauf zurückzuführen, dass das Tier aus einer zu Hause aufgestellten Köderbox gefressen hat

Das kommt viel, viel häufiger vor, als dass es draußen aufgenommen wird.

Ganz oben auf der Liste der Vergiftungen, stehen daher auch nicht wie vielfach angenommen die Vergiftungen durch Rattengift oder ähnliche Stoffe, sondern durch Medikamente, Lebens- und Genussmittel. Die Ursachen dafür sein oftmals: Unachtsamkeit und fehlendes Wissen von Hunde- oder Katzenbesitzern.

Tägliche Praxis sind Hunde und Katzen, die versehentlich Omas Herztabletten, die Anti-Baby-Pille oder ein Antidepressiva geschluckt haben.

Regelmäßig müssen von den Tierärzten in Nürnberg auch Welpen mit einer Nikotinvergiftung behandelt werden, denn oftmals verschlingen diese große Mengen Zigarettenkippen. Hunde mit einer Haschisch-Überdosis lagen ebenso schon auf dem Behandlungstisch, wie Hunde mit einer schweren Alkoholvergiftung.

Im Ernstfall hilft jedoch nur Ruhe bewahren! Besteht der Verdacht auf eine Vergiftung, helfen präzise Angaben zu Alter, Gewicht und Zeitpunkt der Aufnahme bei einer raschen Versorgung.

Im Idealfall solltet Ihr den verdächtigen Köder oder Verpackungsreste, Erbrochenes, Kot, Urin oder Blut sichern und dem Tierarzt vorlegen, um später das möglicherweise enthaltene Gift auch nachweisen zu können – ein wichtiger Faktor, denn im Ernstfall kann eine Anzeige bei der Polizei nur mit Beweis gestellt werden.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

6 Reaktionen

Permalink
  • von Klaus
  • 13. August, 2013

Gut 90% aller Fälle in denen ein Hund oder Katze nach der Aufnahme von Rattengift behandelt wird, sind darauf zurückzuführen, dass das Tier aus einer zu Hause aufgestellten Köderbox gefressen hat

Was sollten wir daraus: Die eigene Achtsamkeit fördern und ggf. das Haus mit all seinen Gefahren sicherer machen, so wie es fast alle auch bei ihren Kleinkindern machen.

Den Garten kann man auch sicherer machen:
http://www.hundetrainer-netzwerk.com/2013/welpen-schuetzen-gefaehrliche-gartenpflanzen/

Gruss Klaus

[…] ganz bewusst nicht von den 90% aller Vergiftungen bei Hunden, die laut Tierärztin Janka Meusel aus Unachtsamkeit in den eigenen 4 Wänden auftreten, sondern ich spreche von den langsamen und schleichenden Vergiftungen, die wir unseren […]

[…] sein muss, denn in vielen Fällen “vergiften” sich unsere Fellnasen aus Unachtsamkeit in den eigenen vier Wänden und manchmal können sogar starke Pflanzenschutzmittel eine […]

[…] Behandlung für euren Hund einleiten. Viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass das Risiko einer unachtsamen Vergiftung durch die falsche Gabe von Medikamenten somit erheblich reduziert […]

[…] nachzuvollziehen wo der Hund eigentlich gewesen ist und was er unterwegs oder vielleicht auch im Haus der Eltern alles gefressen haben mag. Es ist natürlich schrecklich was dem kleinen Kerl wiederfahren ist, aber ob es sich […]

[…] mal berücksichtigt, dass die meisten Hunde laut Tierärzten durch reine Unachtsamkeit in den eigenen 4 Wänden und nicht durch vermeintliche Hundehasser vergiftet werden, dann würde ich eher sagen das dieses […]

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