Gut gemeinte Hinweise: Giftköder-Warnungen im Netz sind oft nicht nachprüfbar

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 05.06.2013 um 11:02 Uhr, 4 Kommentare

giftkoeder-warnungen-im-netz

Ich habe ja auch bereits an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass wir Hundehalter beim Thema „Giftköder“ derzeit zu unserem eigenen Nachteil extrem sensibel reagieren und dieses Verhalten führt am Ende oftmals sogar dazu, dass wir die Gefahr für unseren Hund quasi schon hinter jedem Busch sehen.

Erst heute hatte ich den wieder Fall, dass ich dummerweise diesmal selber auf eine Meldung hereingefallen bin, die schon mehr als 12 Monate zurückliegt und leider ist das auch kein Einzelfall, denn in der letzten Zeit erreichen uns wieder vermehrt extrem veraltete Warnungen. Nicht selten sind es die Betroffenen selbst, die uns über die jeweiligen Vorfälle informieren und anschließend mit sehr viel Nachdruck darauf bestehen, dass wir ihre Meldungen im System veröffentlichen um andere Hundehalter zu warnen.

Für andere ist es jedoch wenig hilfreich eine Warnung herauszugeben, die mehr als 30 Tage zurückliegt und daher bitte ich auch in diesem Fall um Verständnis, dass wir nicht jede Meldung aufnehmen können. Uns ist es wichtig, dass wir mit GiftköderRadar einen Service bieten auf den sich jeder Hundehalter verlassen kann und deshalb macht es in meinen Augen auch keinen Sinn hier unnötig Panik zu verbreiten.

Wenn Ihr anderen Hundehaltern wirklich helfen möchtet, dann kann ich nur immer wieder dazu aufrufen nicht jede Meldung auf Facebook blind zu glauben und nicht jedes Gerücht das euch auf dem Spaziergang zugetragen wird gleich in der Welt zu verbreiten. Nutzt euren Verstand und hinterfragt die Dinge bitte erst!

Das Bocholter-Borkener Volksblatt hatte das Thema „Giftköder-Warnungen im Netz“ bereits im Januar 2013 in seiner Printausgabe thematisiert und aus diesen Artikel möchte ich euch heute mal die folgenden Zeilen zitieren:

Im Internet häufen sich derzeit die Warnungen vor Giftködern, die angeblich an mehreren Stellen in Bocholt ausgelegt wurden. In verschiedenen Foren und Netzwerken wird von Hunden und Katzen mit Vergiftungserscheinungen berichtet, einige Tiere sollen sogar verendet sein.

Viele der von Tierfreunden ins Netz gestellten Warnungen gelangen offensichtlich ungeprüft ins Internet. Nach dem Motto: „Jeder hat etwas gehört, genaues weiß man allerdings nicht“ handelt es sich meistens um nicht belegbare Gerüchte und Vermutungen.

„Solche Hinweise sollten nicht unterschätzt werden. Schließlich gab es in der Vergangenheit in Bocholt schon solche Fälle, weshalb man immer Ohren und Augen offen halten sollte. Allerdings habe ich ein Problem damit, wenn solche Sachen ungeprüft und ohne Beweise ins Netz gestellt werden.“ sagt Lutz Kaczmarsch, Leider des Bocholter Tierheims, „das grenzt dann schon an Panikmache.“

Dem schließt sich Frank Rentmeister an. „Solche Meldungen im Internet machen schon Sinn, doch leider wird in den sozialen Netzwerken auch viel Unsinn verbreitet und einiges ungeprüft ins Netz gestellt.“, sagt der Sprecher der Polizei des Kreises Borken.

Dies führe dazu, dass Gerüchte gestreut werden und Ängste geschürt würden. Bei der Polizei seien schon seit längerer Zeit keine Anzeigen im Zusammenhang mit Giftködern eingegangen.

Der Artikel bestätigt am Ende zu 100% unsere eigenen Erfahrungen, denn die Anzahl der unbestätigten Meldungen steigt in der letzten Zeit massiv an und hier sollten wir dringend alle zusammen gegensteuern. Auch wenn es einige von euch leider nicht verstehen möchten, aber unter dem Strich bleibt es am Ende falsch eine Meldung einfach ungeprüft im Netz zu veröffentlichen, denn damit ist keinem Hund wirklich geholfen.

Ich weiß nicht wer von euch Freunde, Bekannte oder Verwandte bei der Bundeswehr hat, aber diese Menschen wissen nur zu gut mit welchen seelischen Problemen unsere Soldaten zu kämpfen haben, wenn sie aus Afghanistan, Bosnien oder von wo auch immer auf der Welt in die Heimat zurückkommen.

Viele von ihnen brauchen oftmals Jahre bis sie wieder ohne schlechtes Gefühl eine grüne Wiese betreten können und das nur, weil sie im Krieg gelernt haben, dass sich hier tödliche Minen verstecken können.

Genau auf diese Situation bewegen wir Hundehalter uns langsam zu und letztendlich sind wir selbst der Grund dafür. Schaut euch doch dazu einfach mal den folgenden Dialog von unserer Facebook-Seite an.

facebook-dialog

Wir halten also fest: Es handelt sich lediglich um ein Gerücht! Es wurde kein Giftköder gefunden und niemand kann offiziell etwas bestätigen. Trotzdem geht Alexandra nun aus Angst nicht mehr mit ihrem Hund auf dieser Wiese spielen! Ein potenzieller Hundehasser hätte in diesem Fall also schon allein durch die Streuung eines Gerüchtes sein Ziel erreicht, denn neben Alexandra werden vermutlich auch weitere Hundehalter diese Wiese in Zukunft meiden. Ist es das, was wir alle am Ende erreichen wollen?

Wollen wir in ein paar Monaten unsere Hunde nur noch mit Maulkorb auf dem Arm durch die Stadt tragen, weil wir jede Wiese mit Angst betreten? Mein Ziel ist persönliches Ziel ist das jedenfalls nicht, denn ich möchte das meine Hunde auch weiterhin glücklich auf den Wiesen in der Umgebung spielen können.

Erreichen können wir dieses Ziel aber nur, wenn wir alle wieder etwas mehr Besonnenheit an den Tag legen, denn nicht jedes Stückchen Wurst am Wegesrand wurde dort von einem Hundehasser platziert und nicht jedes „verdächtige weiße Pulver“ ist auch wirklich Gift.

Von 100 Meldungen können derzeit lediglich 5 Meldungen durch die Behörden bestätigt werden und das zeigt doch bereits sehr deutlich, dass wir jetzt und auch in Zukunft alle gemeinsam an dieser Problematik arbeiten müssen. Wir von unserer Seite werden in den kommenden Wochen jedenfalls neue Standards erarbeiten, die die Qualität der von uns veröffentlichten Warnungen weiter steigern soll.

Von euch wünschen wir uns hingegen weiterhin eure Unterstützung und wesentlich mehr Ruhe im Umgang mit der gesamten Thematik. Wenn Ihr Vorschläge habt, wie sich das System verbessern lässt und wie wir die Qualität der Meldungen steigern können, dann postet diese doch einfach unter dem Artikel.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

4 Reaktionen

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  • von Benni
  • 05. Juni, 2013

Hallo Sascha,

ich bin zu 100% deiner Meinung, daß nur verifizierte Meldungen veröffentlicht werden dürfen. Gerüchte streuen: No Go.

Daher bitte ich Dich, bei deinen Artikeln nicht auf eine Quellenangabe zu verzichten.

Bei den Warnungen in der „Giftköder- App.“ wünsche ich mir folgendes:

– Editier- bzw. Löschmöglichkeit des Posters (Meine eigene Warnung landete 500 Meter neben der von mir gemeldeten Köderbox auf der Autobahnrastanlage. Daher gibt es eine völlig verkehrte Warnung in einem einsamen und harmlosen Wäldchen)

– freie Kommentarfunktion zu allen einzelnen Warnungen, so daß der Poster Entwarnung geben kann, aber auch andere Leser die Meldung komplettieren bzw. richtigstellen können, wie z.B. „Mein Hund da hingekotzt, und die Wurststückchen dann liegen gelassen“ oder. „Täter gefaßt, Gefahr gebannt“ usw.

[…] hat – um es mal nett auszudrücken. Auf der anderen Seite würde das jedoch meine kürzlich hier veröffentlichen Eindrücke durchaus bestätigen, denn in diesem Fall hätte der Täter allein durch die Androhung der Tat sein […]

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  • von Christian Albrecht
  • 16. Juni, 2013

Grüne Wiesen in Afghanistan? Tretmienen? Da ist aber auch der Marketingmanager mit Ihnen durchgegangen, nicht?

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Anregung bezügl. falscher Fundortmeldungen:

Zur weitgehenden Vermeidung von Falschmeldungen (Motivation unerheblich) werden nur noch Meldungen von Tierärzten (niedergelassen oder Klinik) sowie Tierschutzorganisationen veröffentlicht.

Natürlich sollte vorab ein diesbezüglicher Hinweis erfolgen.

Weiterhin erwünschte private Meldungen könnten über diesen zumutbaren „Umweg“ verifiziert werden.

Die Bereitschaft der o.a. Meldungsberechtigten dürfte bis zum Beweis des Gegenteils vorliegen (sofern ihnen die Web-Adresse von „GiftköderRadar“ – falls dort nicht bekannt – mitgeteilt wird).

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