Was tun, wenn man einen Giftköder-Ausleger auf frischer Tat erwischt?

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 20.09.2012 um 16:55 Uhr, 0 Kommentare

Diese Frage wurde uns in den letzten Wochen und Monaten sicherlich schon mehrfach von euch gestellt und irgendwie scheint euch dieses Thema sehr unter den Nägeln zu brennen. Aus diesem Grund möchte ich heute einfach mal einen kurzen Blick auf die rechtlichen Aspekte dieser Frage werfen.

Vorab erlaube ich mir jedoch den kurzen Hinweis, dass dieser Beitrag in keiner Weise eine Rechtsberatung oder ähnliches darstellen soll. Der Artikel spiegelt lediglich meine persönliche Interpretation der öffentlich verfügbaren Gesetzestexte wieder. Wenn sich also jemand von euch eingehender mit dieser Thematik beschäftigen möchte, dann sollte er auf jeden Fall immer einen Fachanwalt für Strafrecht zu Rate ziehen.

Was könnt bzw. was dürft Ihr nun tun, wenn Ihr einen Giftköder-Ausleger auf frischer Tat ertappt? Nun, zunächst einmal solltet Ihr die „Ratschläge & Empfehlungen“ wie sie immer wieder auf unserer Facebook Page zu lesen sind ignorieren. Der Wunsch den Täter zu verprügeln oder ihm seinen eigenen Giftköder zu verabreichen ist zwar sicherlich menschlich absolut nachvollziehbar, aber vermutlich würdet Ihr euch damit auch selbst eine Strafanzeige einhandeln und das solltet Ihr natürlich möglichst vermeiden.

Als Lösung bietet uns die Strafprozessordnung mit dem §127, dem sogenannten Jedermann-Paragraph, eine elegante Möglichkeit die Situation rechtssicher zu bereinigen. Der Paragraph 127 Abs. 1 besagt folgendes:

(1) Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.

Grundsätzlich dürft Ihr also jemanden, den Ihr „auf frischer Tat“ bei einer Straftat erwischt auch ohne richterliche Anordnung bis zum Eintreffen der Polizei festhalten, wenn die Gefahr der Flucht gegeben ist oder wenn die Identität des Täters nicht einwandfrei festgestellt werden konnte.

Als „auf frischer Tat erwischt“ gilt der Sachverhalt dann, wenn der Täter noch am Tatort ist oder in dessen unmittelbarer Nähe von euch angetroffen wird. Ausreichend ist aber auch eine sofortige Verfolgung, wenn der Täter zuvor von euch persönlich am Tatort angetroffen worden ist. Wenn Ihr den Straftäter persönlich kennt, weil es z.B. euer Nachbar ist, dann Ihr ihn also nicht vorläufig festhalten.

Ihr solltet im Einzelfall aber trotzdem genau prüfen, ob die rechtlichen Voraussetzungen für ein Einschreiten vorliegen, denn anderenfalls riskiert Ihr selbst ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung, Körperverletzung oder Freiheitsberaubung. Darüber hinaus solltet Ihr auch immer die aktuelle Gefahrensituation für euch selbst einschätzen, denn es ist niemanden geholfen, wenn der Täter beispielsweise bewaffnet ist oder wenn euer Einschreiten vielleicht später noch in einer wilden Schlägerei endet.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

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