Selbst schuldlose Hundehalter haften im Ernstfall für ihren Hund

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 05.09.2012 um 14:16 Uhr, 5 Kommentare

In Stresssituationen können auch die gutmütigsten Hunde zu einem Angriff auf den Menschen übergehen. Das zeigt zumindest die Geschichte hinter einem aktuellen Gerichtsurteil des Oberlandesgerichtes Celle.

Im vorliegenden Fall eskalierte die Situation scheinbar nach einer operativ durchgeführten Darmspieglung. Als ein völlig orientierungsloser und ängstlicher Schäferhund nach der Narkose die beiden behandelnden Tierärzte in Arm und Hände biss, forderten diese anschließend von der Hundehalterin sowohl Schmerzensgeld, als auch Schadenersatz für die unvorhersehbare Beissattacke. Dem gab das Gericht weitestgehend statt.

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch muss der Tierhalter für Schäden seines Haustieres grundsätzlich aufkommen, die Frage nach einem Verschulden des Halters hingegen ist nur bei Nutztieren wie Mastschweinen relevant.

Hunde sind trotz bester Erziehung oftmals unberechenbar. Es hundertprozentige Sicherheit für uns als Halter wird es vermutlich niemals geben und derartige Angriffe können schnell fatal enden. Wir müssen uns also bei aller Liebe zu unseren Fellnasen trotzdem immer wieder vor Augen führen, dass der Biss eines Hundes erhebliche Verletzungen wie beispielsweise eine zerrissene Muskulatur oder starke Verletzungen von Sehnen, Gelenken und Knochen bei uns Menschen nach sich ziehen kann.

Neben den durch die Bissverletzung ausgelösten Heilungskosten und Schmerzensgeldansprüchen muss der Hundehalter oft auch noch weitere Schadenersatzansprüchen der Betroffenen befriedigen. Im Fall der beiden Tierärzte konnte ein Arzt längere Zeit nicht arbeiten und hatte somit natürlich auch hohe Verdienstausfälle.

Die aus einem solchen Hundebiss resultierenden Folgekosten können jedenfalls relativ schnell die finanziellen Möglichkeiten eines Normalverdieners übersteigen und daher finde ich persönlich es schon erstaunlich, dass es bis heute keine generelle und deutschlandweite Versicherungspflicht für Hundehalter gibt.

Wie sieht es denn mit euch aus? Sind eure Hunde bereits versichert? Sind eure Verträge noch aktuell und die Deckungssummen ausreichend hoch bemessen? Gibt es bestimmte Ausschlusskriterien?

In den letzten Jahren hat sich das Thema Hundehaftpflicht in ein regelrechtes Minenfeld verwandelt, denn neue Tarife mit neuen Beschränkungen für bestimmte Hunderassen machen es einem nicht gerade einfach das für sich passende Angebot zu finden. Unabhängige Plattformen wie vergleichen-und-sparen.de können uns hier zumindest einen wenig Orientierung bieten, denn Dank des umfangreichen Vergleichsrechners könnt Ihr euch verschiedene Angebote zur Hundehaftpflicht aus 340 Tarifen kostenlos berechnen lassen.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

5 Reaktionen

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  • von TFA
  • 05. September, 2012

Generell stimme ich dem natürlich zu.

Doch das Beispiel mit den gebissenen Tierärzten finde ich schlecht.

Ich arbeite in einer Tierarztpraxis als Tiermedizinische Fachangestellte. Das Risiko gebissen zu werden besteht ständig. Ein narkotisiertes Tier oder eines, was sich in der Aufwachphase befindet, ist besonders gefährlich, völlig unabhängig davon, ob das Tier sonst lieb und nett ist oder nicht. Gerade in der Aufwachphase kann es schnell zu Bissen kommen. Die Tiere sind verwirrt, orientierungslos und merken einfach instinktiv, dass sie sich in einer für sie seblst evtl gefährlichen Situation befinden, wo sie sich nicht akkurat wehren können. Aus diesem Grund ist in dieser Phase die Reizschwelle meist sehr niedrig bzw. die Tiere haben sowas wie einen „Beisreflex“ – sie schnappen wahllos zu. Das passiert zum Glück sehr selten, aber das Risiko ist immer da!

Und gerade ein Tierarzt sollte das wissen und selbst entsprechend vorsichtig sein.
Wenn alle Vorsicht nichts bringt und es zu so einem schrecklichen Vorfall wie dem oben geschilderten kommt, ist das zwar tragisch, aber die Besitzerin deswegen zu verklagen halte ich für völlig überzogen bzw. ist das Abzocke.

Ich bin mir bei meiner Arbeit dieses Risikos immer bewusst. Auch ich wurde schon gebissen. Auch ich war arbeitsunfähig. Aber der Biss war ein Unfall. Weder ich, noch die Besitzerin, und schon garnicht das Tier, das die Situation nicht versteht, haben Schuld daran.

Wer damit nicht klar kommt, sollte den Beruf wechseln.

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  • von Kerstin Tiemann
  • 05. September, 2012

Hallo TFA – es geht ja auch gar nicht darum, wer Schuld hat, sondern wer den Schaden bezahlt. In dem Artikel steht ja auch nicht, dass der Halter Schuld hat, sondern dass er haftet. Wäre ich Versicherung, würde ich allerdings den TÄ grob fahrlässiges Handeln unterstellen und nicht zahlen. Aber man müsste natürlich die Details kennen. ….

Wie gut, dass gleich noch ein passender Link zum Thema Hundehaftpflichtversicherung untergebracht werden konnte 😉 .

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  • von Nataniel
  • 05. August, 2014

Der Schreiber des Artikels bringt da einiges durcheinander. In Deutschland gibt es verschiedene Haftungsarten. Zum Beispiel die Gefährdungshaftung. Gefährdungshaftung bedeutet, dass derjenige aufgrund der Tatsache haftet, dass von einer Sache eine Gefährdung ausgeht. Zum Beispiel betrifft das Hausbesitzer. Ein Hausbesitzer haftet bei herunterfallenden Dachziegeln aufgrund der Gefährdungshaftung, weil von seinem Haus die Gefahr ausgeht, dass ein Dachziegel (warum auch immer) herunterfallen und jemanden verletzen kann. Von einem Haus geht eben immer eine Gefahr schon aufgrund der Tatsache aus, weil es da ist. Es besteht immer das Risiko, dass sich Gebäudeteile lösen und herabfallen können, auch bei guter Wartung und Pflege.

Im Übrigen trifft das auch auf bestimmte Haftungsfragen hinsichtlich der KFZ-Haltung dar. Und genau dafür gibt es sogenannte Haftpflichtversicherungen. Jeder Hausbesitzer sollte eine Haushaftpflichtversicherung abschließen, um im Falle einer Gefährdungshaftung Ansprüche zahlen zu können. Eine KFZ-Haftpflichtversicherung ist sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Von einem Auto geht immer eine Gefahr aus, nur aufgrund der Tatsache, dass es da ist. Z.B. Umweltschäden durch auslaufendes Öl. Hier haftet der KFZ-Halter immer, unabhängig von der Schuldfrage, eben weil ihm das Auto gehört. Wenn also Öl ausläuft und Grundwasser verseucht wird, muss der Autobesitzer den Schaden bezahlen, weil er der Besitzer des Autos ist. Stellvertretend tut das seine Haftpflichtversicherung.

Das Prinzip der Gefährdungshaftung gilt auch hinsichtlich der Hundehaltung. Von jedem Hund geht eine Gefahr aus, weil er da ist. Das sollte eigentlich einleuchten. Es hat nichts mit der Schuldfrage des Halters zu tun, sondern mit der Gefährdung, die permanent von einem Hund ausgeht. Wenn ein Hund da ist, geht von ihm eine Gefahr aus. Es besteht das latente Risiko, dass ein Hund beißt, jemanden anspringt, beleckt, durch unvermitteltes Bellen erschreckt usw. Das ist nunmal so, die Erfahrung bestätigt dies, und es ist unabhängig davon, ob ein Halter jetzt eine Schuld daran hat oder nicht. Er haftet aus der Gefährdungshaftung heraus, weil von dem Hund eine Gefahr ausgeht. Genau wie ein Autobesitzer oder ein Hausbesitzer.

Bei Nutztieren sieht die Sache anders aus, da diese anders als privat gehaltene Hunde nicht im privaten Bereich überall herumgeführt und mitgenommen werden. Weidetiere sind auf ihrer Weide oder in ihrem Stall. Es gibt wohl kaum jemanden, der eine Kuh, einen Ochsen oder ein Zuchtschwein in der Stadt Gassi führt, mit nach Hause nimmt usw.

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  • von Aloisia
  • 14. November, 2014

diese Tierarztpraxis hat hoffentlich jetzt viel Zeit (weil keiner mehr hingeht) darüber nach zu denken, was sie falsch gemacht haben, geht es noch, selbst wenn ich versichert bin habe ich bei dem ganzen Ablauf massive Unannehmlichkeiten durch diese Fahrlässigkeit des Arztes, noch nie etwas von Beißkorb gehört? Ich gebe meinem Hund selbst bei so einfachen Untersuchungen und Handlungen wie Analdrüse ausdrücken einen Beißkorb rauf, weil jede Untersuchung für ein Tier Stress bedeutet, oder kann ihm jemand verständlich erklären Der Onkel Dr. tut dir nicht weh brauchst keine Angst haben grins. Auch wenn eine Versicherung besteht, (in Österreich Pflicht beim Anmelden eines Hundes) wenn bleibende Schäden entstehen, kann Dir kein Geld der Welt die Gesundheit ersetzen, Vorsorgen sollte doch wohl zum eigenen Wohl selbstverständlich sein, selbst wenn es ein kleiner Hund ist können schlimme Bisse entstehen.

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  • von Aloisia
  • 14. November, 2014

Nataniel, sehr schön erklärt aber wie überall (in der Gesetzgebung) hingt auch hier der Hase, denn beim Hund muss ich auch wenn er nie aus dem Kuhstall (grins) raus kommt, aber ein Besucher mal rein und es passiert was, haften. Was beim Nutztier (welch ein schreckliches Wort) nicht der Fall ist, Auch ein Mensch ist nie 100% kalkulierbar, (sonst gäbe es keine Amoklläufer) ergo bei ALLEN Lebewesen muss mit einer latenten Gefahr gerechnet werden. Nur der Gesetzgeber hängt sich derart am Hund auf, dass einem schlecht wird. Beim Menschen darf er (der Gesetzgeber) es nicht mehr (Minderheiten etc.) jetzt nimmt er den Hund um seinen Frust unterzubringen (Listenhunde, großer Hund, kleiner Hund, egal Hund immer böse, grins) und die meisten hundelosen Leute springen gerne auf diesen Zug auf, hilf es doch auch ihren Frust los zu werden, auch wenn er gar nix mit Hund zu tun hat. Diese Gesetzgebung ist schlicht zum k…..

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