Warum wir neue Funktionen zuerst für iOS entwickeln

Abgelegt von Sascha Schoppengerd am 21.07.2012 um 13:23 Uhr, 2 Kommentare

Unbestritten gehört GiftköderRadar sowohl unter iOS, als auch unter Android zu den zehn beliebtesten und sinnvollsten Apps im Heimtierbereich und trotzdem müssen wir uns sicherlich die berechtigte Frage stellen lassen, warum wir den Fokus bei der Entwicklung immer zuerst auf die iOS Version der App legen.

Um diese Gründe näher zu beleuchten, sollten wir als erstes mal ein Blick auf andere erfolgreiche Apps werfen, denn ganz offensichtlich sind wir nur eines von vielen Startup’s, dass sich selbst in der Entwicklung ganz klare Prioritäten auferlegt hat. Die Nutzer der extrem erfolgreichen Foto-App Instagram, die im übrigen für das iPhone bereits seit 2010 erhältlich ist, mussten beispielsweise knapp 2 Jahre warten, bis die App endlich auch auf Google Play zum Download stand und selbst so populäre Apps wie der Musik-Streaming-Service Spotify oder der VLC Media Player lassen die Android Nutzer nicht selten mehrere Monate auf ein Update warten.

Eine Studie der Serviceplattform Flurry Analytics aus dem Jahr 2011 belegt doch auf sehr eindrucksvolle Weise, dass gut zwei Drittel aller neuen App-Projekte zunächst nur für die iOS-Plattformen entwickelt werden und das obwohl der Marktanteil der Android Smartphone’s täglich massiv wächst.

Aber warum ist das eigentlich so? Warum ist die Entwicklung einer Android-App so unattraktiv für Startup’s und warum werden die Android Versionen neuer Apps immer erst einige Monate nach dem Start der iPhone Version quasi „nachgeschoben“? Mit dieser Frage beschäftigt sich auch ein interessanter Artikel bei den Kollegen von Business Insider, der im wesentlichen 3 Gründe für die Bevorzugung von iOS aufführt:

1. iPhone-Nutzer sind eher bereit Geld für Apps ausgeben

Das ist natürlich ein sehr wichtiger Aspekt, den man als junges Startup ohne millionenschwere Investoren im Rücken nicht aus den Augen verlieren darf, denn zahlreiche Studien belegen, dass Entwickler über den iTunes AppStore wesentlich mehr verdienen, als über die jeweiligen Stores von Android, Windows, Nokia und Co. Über die Gründe mag man sich nun streiten, aber letztendlich sind Mac und insbesondere iPhone Benutzer es einfach gewohnt für gute Qualität einen kleinen Obolus zu bezahlen und das gilt natürlich auch für Apps.

Ein weiterer Grund dürfte vermutlich auch darin liegen, dass Apple den Bezahlvorgang extrem einfach gestaltet hat und darüber hinaus auch verschiedene Zahlungsmöglichkeiten für den Nutzer anbietet. Einmal konfiguriert, ist eine neue App quasi in wenigen Sekunden auf dem iPhone und nicht selten bekomme ich Mails von Nutzern, die gern etwas im Google Play Store kaufen würden, dieses aber bedingt durch den Kreditkartenzwang nicht können. Hier müsste Google also dringend noch etwas nachbessern!

2. iPhone Benutzer sind oftmals Early Adopter

Viele iPhone Nutzer sind Early Adopter und somit auch offen für neue Dinge bzw. sie probieren gern neue Dinge aus. Als Entwickler ist es extrem wichtig sich solche Märkte zu erschliessen, denn Early Adapter sind in der Regel auch gut vernetzt und verfügen über Blogs oder Twitter-Accounts mit hohen Reichweiten.

3. Android Apps zu entwickeln kostet viel Zeit und Geld

Das weitaus größte Problem des Android Betriebssystems ist in meinen Augen jedoch die hohe Fragmentierung, denn nicht weniger als 3.997 verschiedene Geräte von insgesamt 599 Herstellern mit unterschiedlichen Auflösungen und Software-Varianten sind derzeit am Markt erhältlich und das macht es für uns Entwickler natürlich nicht einfach alle theoretisch denkbaren Varianten für die App zu berücksichtigen.

Erfahrungsgemäß geht für die Entwicklung einer Android-App allein wegen der Fragmentierung fast 120% mehr Zeit drauf als für eine vergleichbare iOS App und da wir keine eigenen Android-Entwickler im Haus haben, bedeutet das in unserem Fall natürlich auch enorme Kosten für externe Programmierer einzukalkulieren.

Dieses Geld muss jedoch erstmal erwirtschaftet werden und da in der Vergangenheit leider sowohl unsere Spenden-Aufrufe, als auch unsere Crowdfunding-Aktionen nur von sehr wenigen Nutzern unterstützt wurden, sind auch wir gezwungen uns schon allein aus finanziellen Gründen auf die iOS-Version zu fokussieren.

Bei der Entwicklung einer Android-App bleiben am Ende nur 2 Möglichkeiten:

a) Man entwickelt die App möglichst breit, testet über Monate auf verschiedenen Geräten sehr ausgiebig und nimmt den enormen Zeit und Kostenaufwand einfach in Kauf oder b) man tut es nicht und darf sich am Ende dann aber auch nicht wundern, wenn es plötzlich lauter negative Beurteilungen hagelt. Mit der Konsequenz, dass die App dann auch nicht mehr von den Nutzern geladen wird, bei denen sie eigentlich laufen würde.

Unter dem Strich kann man also sagen, dass wir wesentlich mehr Zeit und Geld aufwenden müssen um eine Android-App zu entwickeln, mit welcher wir wesentlicher weniger Nutzer erreichen, die auch dazu bereit einen kleinen Obolus für die App zu bezahlen. Aus diesem Grund ist man manchmal als Entwickler gezwungen sich zuerst auf die Programmierung der iOS-App zu konzentrieren. Wird diese dann ein Erfolg, kann man nach einiger Zeit um den Ausbau der Android App kümmern.

Über den Autor

Sascha Schoppengerd gehört zu den zwei Gründern von GiftköderRadar und er kümmert sich bei uns um das Marketing und die Weiterentwicklung der Apps. Bei Fragen erreicht Ihr Sascha auf Twitter, Facebook, Xing und Google+.

2 Reaktionen

[…] Wir sind sicherlich auf einem guten Weg, aber es zeigt auch, dass unsere Entscheidung die Entwicklung der iOS App. vorrangig zu betreiben, die richtige gewesen […]

Permalink
  • von joe mama
  • 15. März, 2013

Hier hab ich genau die Antworten bekommen nach denen ich gesucht hab. Ausführlich und verständlich erklärt, wirklich TOP!

Schreibe uns deine Meinung

Regeln: Wir freuen uns auf dein Feedback, sei jedoch stets respektvoll und bleibe beim Thema. Wir behalten uns jederzeit das Recht vor profane, belästigende und missbräuchliche Kommentare, sowie unerlaubte Werbung in den Kommentaren (Spam) zu löschen und Wiederholungstäter zu blockieren.